
Letzte Woche durften wir beim Sourcing International Frühlingsforum in der Peregringasse in Wien dabei sein – und es war einer dieser Nachmittage, an denen man mit deutlich mehr Gedanken im Kopf nach Hause geht, als man mitgebracht hat. Drei Impulse, ein humanoider Roboter, viele neue Bekanntschaften und der ein oder andere GOTA Coffee zu viel – aber dazu später.
Schon der Empfang ab 15:00 Uhr hatte genau die Atmosphäre, die solche Veranstaltungen erst wertvoll macht: entspannt, offen, mit dem richtigen Mix aus Neugier und Fachgesprächen. Wir haben uns mit Menschen unterhalten, die in ganz anderen Branchen unterwegs sind – vom Industrie-CTO bis zur KI-Forscherin – und genau das ist der Punkt, an dem aus einem Event echtes Networking wird.
Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an das Team von Sourcing International für die Einladung und die rundum gelungene Organisation.
Den Auftakt machte Christian Tauber, CEO von NEOALP, mit einem ehrlichen Blick auf den aktuellen Stand humanoider Robotik. Kein Sci-Fi-Geschwurbel, sondern ein nüchterner Reality Check: Wo stehen wir technologisch wirklich, wo gibt es konkrete industrielle Anwendungsfälle – und wo wird in den nächsten Jahren tatsächlich Mehrwert entstehen?
Spannend fanden wir vor allem die Diskussion darüber, wie viel „Humanoid" eigentlich wirklich nötig ist und wo spezialisierte Lösungen schlicht besser performen. Eine Frage, die uns in der Softwareentwicklung erstaunlich ähnlich begegnet.
Emily Kate Genatowski, experimentelle KI-Forscherin, nahm uns mit in ein Forschungsprojekt der besonderen Art: das Zusammenleben mit einem humanoiden Roboter im Alltag. Und Tova – ihr Roboter – war live vor Ort.
Was als amüsante Vorstellung beginnt („Was, wenn dein Mitbewohner ein Roboter ist?"), wurde schnell zu einer tieferen Reflexion: Was bedeutet Mensch-Maschine-Interaktion eigentlich, sobald sie nicht mehr im Labor, sondern in der Küche stattfindet? Das spätere Meet & Greet mit Tova war für viele im Raum sichtbar das Highlight des Nachmittags – inklusive der ein oder anderen Sinnfrage.
Und dann kam der Vortrag, der bei uns im Team noch tagelang nachgehallt hat: Stefan Erschwendner war direkt aus Berlin/San Francisco eingeflogen. Sein Unternehmen baut agentic-AI-Systeme für Kunden wie SPAR, Österreich Werbung, A1 Telekom Austria Group und WWP – und eliminiert dabei nach eigener Aussage bis zu 80 % des manuellen Aufwands. Einer seiner Cases wurde übrigens als einziges europäisches Beispiel in der Keynote von Nvidia-CEO Jensen Huang erwähnt.
Sein Vortrag war keine Verkaufsshow, sondern ein deutlicher Weckruf: KI-Agenten definieren gerade ganze Geschäftsmodelle neu. Nicht in fünf Jahren – jetzt.
Als Team hinter ferdinanz, unserem KI-basierten Cashflow-Manager als SaaS, mussten wir uns nach diesem Vortrag eine ehrliche Frage stellen: Macht ein Produkt wie ferdinanz in Zukunft überhaupt noch Sinn – oder werden Organisationen solche Use Cases bald komplett intern mit eigenen Agenten lösen?
Unsere Antwort, nach intensiver Diskussion am Tag danach: Ja, ferdinanz macht weiter Sinn – und zwar genau deshalb, weil es eben nicht nur ein Use Case ist. Drei Gedanken dazu:
Stefans Vortrag hat uns also nicht entmutigt – er hat uns in dem bestätigt, was wir ohnehin schon angepeilt hatten: Agentic AI ist kein Ende für spezialisierte SaaS-Produkte, sondern macht sie noch wertvoller. Vorausgesetzt, wir bauen sie richtig.
Ab 17:30 Uhr ging es in den gemütlichen Teil über – feine Kulinarik, gute Gespräche, und endlich Zeit, die Eindrücke des Nachmittags mit anderen Teilnehmenden zu sortieren. Wir haben uns mit spannenden Menschen vernetzt, ein paar potenzielle Kooperationen angedacht und vor allem viele Visitenkarten getauscht, die jetzt darauf warten, nachgezogen zu werden.
Unser Fazit: Das Frühlingsforum war für uns weit mehr als ein Networking-Termin – es war ein Reality Check für unser eigenes Tun. Humanoide Robotik mag noch ein paar Jahre brauchen, bis sie wirklich im Alltag ankommt. Agentic AI ist hingegen schon da. Und genau deshalb ist es jetzt entscheidend, mit Tempo, Expertise und Verantwortung an den richtigen Produkten zu bauen. Ein großes Dankeschön an Sourcing International für die Einladung, die Organisation und das großartige Programm – wir kommen gerne wieder!